Philosophie in der nahöstlichen Moderne
-
Herausgegeben von:
Sarhan Dhouib
, Christoph Herzog , Anke von Kügelgen , Kata Moser und Roman Seidel -
Begründet von:
Anke von Kügelgen
-
Wissenschaftl. Beratung:
Ahmed Attia
, Zeynep Direk , Ali Gheissari , Ahmad Madi , Mohamed Mesbahi , Anwar Moghith , Nassif Nassar und Fatih Triki
Die Reihe pnm soll zur Dezentrierung unserer islamozentrischen Wahrnehmung des Nahen und Mittleren Ostens beitragen. Sie bietet jenem philosophischen Denken eine Plattform, das seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Alexandria, Beirut, Fes, Istanbul, Jerusalem, Kairo, Kalkutta, Lahore, Teheran, Tiflis oder Tunis in Erscheinung tritt, sich mit Herausforderungen „moderner" Wissenschaften, Techniken, Werte und Ansprüchen auseinandersetzt und dabei religiöse, moralische, kulturelle, rechtliche, soziale und ästhetische Traditionen neu reflektiert.
Fachgebiete
Diese auf zwei Bände angelegte Anthologie präsentiert bislang unübersetzte Essays von zwanzig Intellektuellen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Gegenwart, die tolérance/toleration/Toleranz unterschiedlich auffassen und ihren Gegenbegriff nicht nur negativ konnotieren. In den Kommentaren werden die arabischen Begriffe, die konzeptuellen Unterschiede und Rechtfertigungsstrategien analysiert und geklärt.
Mohammad Mojtahed Schabestari, emeritierter Professor für Vergleichende Theologie in Teheran, zählt zu den bedeutendsten religiösen Intellektuellen Irans. Seine auf den Ideen von Autonomie und Freiheit basierende Konzeption des Glaubensbegriffs und seine Reflexionen zum Begriff des menschlichen Verstehens haben zum Teil heftige Kontroversen im postrevolutionären Iran ausgelöst. Diese Studie untersucht, auf welche Weise Schabestari, [im deutschsprachigen Raum als Protagonist des Christlich-Islamischen Dialogs bekannt,] durch die Auseinandersetzung mit den Schriften einschlägiger deutschsprachiger Philosophen (u.a. Schleiermacher, Heidegger und Gadamer) und Theologen (Rahner, Barth, Tillich, Buber) die Begriffe Hermeneutik, Glaube und Freiheit verknüpft, eine offene Deutung der Islamischen Ideengeschichte und muslimischer Religiosität entwickelt und dadurch den religionsphilosophischen Diskurs in Iran nachhaltig beeinflusst hat.
In der aktuellen Diskussion um den Islam zeigt sich oft große Unsicherheit; der Charakter dieser Religion wird vielfach verkannt. Ausgehend von grundsätzlichen Erwägungen über das religiöse Bewusstsein und seine soziale Funktion untersucht dieses Buch den zivilisatorischen Hintergrund der Entstehung des Islam, die Geschichte dieser Entstehung und seine daraus erwachsenen wichtigsten Grundzüge: seine Weltzugewandtheit, seine Betonung rechtlicher Fragen und den „formalen Charakter" des islamischen Dogmas, der den Gläubigen, wenn sie nur Gottes Allmacht im Prinzip anerkennen, erhebliche Freiheit bei der inhaltlichen Ausfüllung ihres Glaubens lässt. Diese Freiheit hat zur historischen Blüte der arabisch-islamischen Zivilisation beigetragen bzw. sie ermöglicht und ist auch heute noch von großer Bedeutung für das politische und soziale Handeln der Muslime. Dieses Buch, dessen Autor, der syrische Philosoph Nayef Ballouz (1934-1998), einer der bedeutendsten arabischen Denker seiner Zeit war, kann verbreiteten Vorurteilen über den Islam entgegenwirken und einen erheblichen Beitrag zur Versachlichung der aktuellen Auseinandersetzung um diese Religion leisten.
Wie hängen Existenzphilosophie, Ägyptens Dekolonisierungsprozess und die Neubewertung der arabisch-islamischen Kulturgeschichte zusammen? Lassen sich philosophische Entwürfe losgelöst von ihren jeweiligen spezifischen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Kontexten und den ihnen inhärenten diskurstreibenden Kräften verstehen?
Diesen und anderen Fragen geht die Autorin in der vorliegenden Publikation nach. Sie interpretiert den radikalen Subjektivitätsbegriff des ägyptischen Intellektuellen ʿAbd ar-Raḥmān Badawī (1917-2002) als Versuch einer doppelten kognitiven Emanzipation von den bestehenden politischen und religiösen Strukturen und verortet dessen intellektuelles Schaffen in seinem spezifischen Entstehungskontext. Diesen fächert die Autorin mit Blick auf Badawis bildungsgeschichtliche Hintergründe an der Universität Kairo als mehrdimensionales Geflecht auf, in welchem verschiedene Wissenstraditionen vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Anliegen verhandelt werden.
Entlang einer Auswahl zentraler philosophischer Begrifflichkeiten erschliesst die Autorin in einer subtilen Analyse das bislang unübersetzte existenz- und kulturphilosophische Werk von ʿAbd ar-Raḥmān Badawī.
Recent Arab intellectual debates are often described as revolving around Arab-Islamic cultural heritage (turāth) and the role that it ought to play in modern society. This debate is standardly characterized as a confrontation between traditionalists and modernists, the former idolizing an ‘authentic’ heritage, the latter blaming traditionalism for Arab society’s inability to ‘modernize’.
This study argues that this standard narrative has become overly dominant, making it impossible for different perspectives to be either voiced or heard. It calls for a critical review of how we think about contemporary Arab thought through an analysis of the progressive-linear temporal structure underlying the authenticity-modernity dichotomy. Looking in detail at three Arab intellectuals of the last fifty years – Zakī Najīb Maḥmūd, Adonis, and ʿAbd al-Raḥmān Ṭāhā – the study shows how this temporal structure underlies their thinking, but also how their efforts to break away from it build on a critique of its temporal basis. This analysis in turn enables an overhaul of the authenticity-modernity paradigm, which not only leads to a richer, critical engagement with contemporary Arab thought, but also brings out its moral dimensions.